Bezirksliga 2010/11: Relegationsspiel

Gerlingen I sichert Klassenerhalt

Eigentlich war unsere erste Mannschaft schon abgestiegen, doch das Schicksal meinte es gut mit uns und gewährte der Mannschaft eine zweite Chance. Ganz unerwartet durfte sie in die Relegation, zeigte dort ihre mit Abstand beste Saisonleistung und gewann souverän mit 6:2 gegen die zweite Mannschaft des VfL Sindelfingen.

Am Ende der regulären Saison stand Gerlingen I in der zweiten Staffel der Bezirksliga Stuttgart nur auf dem 9. und damit vorletzten Tabellenplatz. Mit diesem Ergebnis hätte sich die Mannschaft für ein Regenerationsjahr in der Kreisliga qualifiziert. Unerwartet musste aber die SpVgg Rommelshausen, deren zweite Mannschaft von der Landes- in die Bezirksliga abgestigen war, diese Mannschaft komplett zurückziehen, und es entstand ein freier Platz in der Bezirksliga, der in einem Relegationsspiel zwischen den Vorletzten der beiden Staffeln (Gerlingen I, Sindelfingen II) ausgespielt werden musste.

Nach teilweise nervenzerreissendem Spielverlauf setzte sich Gerlingen mit 6:2 in Sindelfingen durch. Ein deutliches Ergebnis, das darüber hinweg täuscht, dass Sindelfingen lange Zeit ein ebenbürtiger Gegner war und insgesamt eine gute Leistung gezeigt hat. Am Ende wurde Gerlingen aber seiner Favoritenrolle gerecht. An allen acht Brettern hatten unsere Spieler eine deutlich höhere Wertungszahl als ihre jeweiligen Gegner; dies machte sich vor allem dadurch bemerkbar, dass ihnen in den entscheidenden Momenten weniger Fehler unterliefen.

Zu Beginn mussten wir drei Unentschieden hinnehmen: Philippe Leick, Stephan Arounopoulos und Uwe Bulgrin konnten sich leichte Vorteile herausarbeiten, die aber nicht ausreichend waren, um auf Sieg zu spielen. Am 5. Brett hatte Ulrich Grosch bereits im 7. Zug mit einer kleinen Kombination einen Bauern gewonnen und stand auf Gewinn; am 8. Brett musste allerdings Klaus Wiesner den Verlust eines Bauern hinnehmen und stand auf Verlust. Alle anderen Partien schienen ausgeglichen zu verlaufen…

Im Mittelspiel wurden diese scheinbar ausgeglichenen Partien jedoch kompliziert, jeweils mit dem „richtigen“ Ergebnis für Gerlingen:

  • Sascha Dreschmann opferte einen Bauern, bekam dafür einen starken Angriff auf den gegnerischen König. Die Verteidigung war sehr schwierig und kostete seinen Gegner viel Zeit. Kurz vor dem 40. Zug hatte Sascha bereits klaren Vorteil und setzte den Königsangriff mit einem schönen Figurenopfer fort. Sein Gegner schaffte es nicht, rechtzeitig eine Erwiderung zu finden und überschritt die Zeit. Eine ausreichende Verteidigung hätte es aber ohnehin nicht mehr gegeben, da Sascha korrekt gespielt hatte und seine Stellung gewonnen war.
  • Erik Reder konnte mit einem schönen und überraschenden Qualitätsopfer alle Linien zum gegnerischen König öffnen und gewann danach schnell und überzeugend.
  • Wolfgang Bartusch schnappte sich in einer komplizierten Partie, in der beide Spieler kompromisslos auf Angriff spielten, einen Bauern. Danach musste er einige kritische Momente überstehen, aber den Bauern sollte er bis zum Schluss halten können – der entscheidende Trumpf im Endspiel.

Zwischendurch hatte auch Klaus Wiesner nach einem Fehler seines jungen Gegners den Spieß umgedreht und sich aus seiner schlechten Stellung befreien können. Er stand unmittelbar davor, einen wichtigen Bauern zu gewinnen und mit einem Freibauern zur gegnerischen Grundreihe durchzulaufen. Abgekürzt wurde das Ganze durch einen weiteren Fehler seines Gegners, der eine ganze Figur kostete.

Der Pechvogel des heutigen Spieltages war Ulrich Grosch. Nach dem Bauerngewinn im 7. Zug sah es für ihn nach einem leichten „Arbeitstag“ aus. Lehrbuchmäßig baute er seinen Vorteil aus, doch seinem Gegner gelang es, eine Festung aufzubauen und alle Fortschritte zu blockieren. Nach fast 5 Stunden einigten sich die erschöpften Kontrahenten auf Remis.

Durch diesen Erfolg rettet der Schachklub Gerlingen seinen Platz in der Bezirksliga. In der Kreisklasse spielt bereits (recht erfolgreich!) unsere Zweite Mannschaft; ein Abstieg wäre aller Erfahrung nach zu ihren Lasten gegangen. Und in den Jahren zuvor hat die Erste mit exzellenten Leistungen (2007/08: Platz 4; 2008/09: Platz 3; 2009/10: Platz 2) gezeigt, dass sie in die Bezirksliga gehört.

Unseren Gegnern aus Sindelfingen wünschen wir in der kommenden Saison viel Erfolg. Besonders bitter: Trotz einer verhältnismäßig guten Saison mussten sie am Ende gleich zwei Mal absteigen. Zuerst nach der regulären Spielzeit, zwischendurch keimte Hoffnung auf, nach dem Relegationsspiel dann der erneute bzw. endgültige Abstieg. Freud und Leid liegen eben doch ganz nah beieinander.

Die Einzelergebnisse:

   Sindelfingen II   -    Gerlingen I           2:6
1. Wittmann (1967)   -    Arounopoulos (2006)   ½:½
2. Zeibig (1805)     -    Dr. Leick (1943)      ½:½
3. Giricz (1738)     -    Reder (1860)          0:1
4. Rühl (1776)       -    Bartusch (1869)       0:1
5. Gerigk (1650)     -    Grosch (1862)         ½:½
6. Herdt (1687)      -    Dreschmann (1819)     0:1
7. Klaigi (1661)     -    Bulgrin (1743)        ½:½
8. Reicherter (1482) -    Wiesner (1721)        0:1

8 Gedanken zu „Bezirksliga 2010/11: Relegationsspiel“

  1. Ich gratuliere zum Minimalziel 2011. Somit ist alles wieder in bester Ordnung. Wir Spieler der Zweiten und die, die es gerne werden möchten, können euch in der kommenden Saison wieder tatkräftig unterstützen, ohne die eigene Mannschaft zu schwächen, das liegt mir als Mannschaftsführer besonders am Herzen.

  2. Na, dann kann man euch ja nur gratulieren – und an Rommelshausen einen Geschenkkorb senden. 🙂

  3. …auch der SC Leinfelden gratuliert zum Klassenerhalt und freut sich, daß der Leinfelder Lapsus am letzten Spieltag (0:8 kl gegen Stetten) ohne Auswirkung für Gerlingen blieb. Viel Erfolg für die neue Saison !

  4. Vielen Dank für die guten Wünsche! Das nächste Jahr darf auch wieder spannend werden, aber zur Abwechslung gerne auch am anderen Ende der Tabelle.

    @ Jens Nusser: für Botnang leisten wir immer gerne Schützenhilfe, zumal ja auch die Niederlage gegen unsere Zweite Mitschuld an der schlechten Platzierung von Botnang II hatte. Und auch Botnang II ist doch eigentlich zu stark für die A-Klasse.

    @ Frank Gehringer: schade, dass die in der letzten Runde Leinfelden II – Stetten nicht ausgespielt wurde. Eine kleine Chance zum Klassenerhalt hätte es ja noch gegeben, und ein Leinfelder Sieg hätte Gerlingen die Relegation erspart…

  5. Da hat mein Daumendrücken ja geholfen 🙂 Herzlichen Glückwunsch zum Klassenerhalt und nächstes Jahr viel Erfolg!

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